Die Unvermeidlichen – mit anschließender Podiumsdiskussion

Am 14.5. fand eine von der AIIC PR-Referentin und VKD-Mitglied Angela Drösser mit Unterstützung des VKD-PR-Referats organisierte Podiumsdiskussion im Anschluss an die Mannheimer Aufführung von „Die Unvermeidlichen“ statt.

Der Kritiken zum Stück sind genug geschrieben, daher hier nur meine persönliche Meinung: ich habe mich hervorragend unterhalten gefühlt, mich häufig wiedergefunden, und zum Teil sogar Dinge über mich gelernt, derer ich mir bisher nicht bewusst war. Ich war außerdem absolut beeindruckt von der Verarbeitung des Stoffs durch die Autorin. Aus meiner Zeit als PR-Referentin kenne ich die Auseinandersetzung mit der schreibenden Zunft, Journalisten, die stets das Reißerische suchen, und nicht loslassen, bevor sie nicht eine Anekdote erfahren haben, mit der entweder der Berufsstand der Dolmetscher, oder aber die Redner; Konferenzteilnehmer oder -organisatoren, und somit unsere Kunden, bloßgestellt werden. In jeglicher Hinsicht Verstöße gegen unsere Berufs- und Ehrenordnungen. Die Autorin des Stücks kommt aber ohne solche Plattheiten aus und füllt 75 Minuten Text mit der unterhaltsamen Realität. Das erinnert mich an den Wunsch einer Kollegin, es möge doch endlich jemand eine Vorabendserie über Dolmetscher ins Fernsehen bringen, wie es ja unzählige über Anwälte, Ordnungshüter oder PR-Agenturen gibt, die dem Zuschauer auf unterhaltsame Weise einen Beruf näherbringen. Vielleicht ein nächstes Projekt für Frau Röggla – wobei, wie ich höre, ein Buch in Planung ist. Beste Unterhaltung also, auch wenn ich von Kollegen, die das Stück schon gesehen hatten, hörte, dass die Schauspieler nicht ihren besten Tag hatten. Ja, zusätzliches schauspielerisches Potenzial war vielleicht zu erahnen an diesem Abend, aber wer von uns ist schon in der Lage, jeden Tag in der Kabine 120% zu bringen?

Im Anschluss fand die Podiumsdiskussion statt, moderiert durch die Dramaturgin, Stefanie Gottfried, und Angela Drösser. Auf dem Podium saßen zunächst die Autorin Kathrin Röggla, Dr. Klaus Hänsch, Europa-Parlamentarier und ehemaliger Parlamentspräsident, sowie von Dolmetscherseite Oliver Pospiech, AIIC-Ratsmitglied für Deutschland. Wohlvorbereitet warfen sich Angela Drösser und Frau Gottfried die Bälle bei der Moderation zu, so dass wir viel über die Intention und Herangehensweise der Autorin, die Rolle des Dolmetschers, und von sehr kompetenter Seite auch einmal etwas aus dem Munde des Nutzers von Dolmetschleistungen, als Redner und Zuhörer, in der Person von Klaus Hänsch, erfuhren. Da wir nur selten die Chance haben, mit Nutzern informierte Diskussionen über das Dolmetschen zu führen, waren seine Äußerungen für mich persönlich am aufschlussreichsten. Zu spüren war sein Respekt für unsere Arbeit, sein Verständnis für unsere Schwierigkeiten, aber auch eine differenzierte Haltung zu „schlechten“ Dolmetschleistungen, oder wann der Einsatz eines Dolmetschers für ihn sinnvoll ist, und wann nicht (siehe auch sein Buch „Kontinent der Hoffnungen“). Besonders gefallen hat mir folgende Anekdote: einmal – vielleicht an einem ersten April – reagierte Klaus Hänsch auf die Forderungen, der „teuren“ Verdolmetschung der Sprachenvielfalt im europäischen Parlament ein Ende zu machen, mit folgendem Vorschlag: dass in den Gremien nur noch Englisch und Französisch gesprochen werden dürfe – woraufhin sich bereits größere Verwunderung breitmachte – Klaus Hänsch aber anfügte: unter der Bedingung, dass alle Franzosen Englisch und alle Briten Französisch reden müssen!

Zum Thema „Verzicht auf Dolmetscher und Englisch als Lingua Franca“ konnten wir von Birgit Christensen hören, dass inzwischen Studien belegen, dass Reden - insbesondere von nicht-Englischen Muttersprachlern, die Englisch vortragen, von des Englischen subjektiv sehr gut mächtigen (Fach)Zuhörern inhaltlich doch weit besser verstanden werden, wenn sie in deren Muttersprache verdolmetscht werden. Solche Studien wären wertvolle Argumentationshilfen, wenn sie uns in der Kundenargumentation vorlägen.

Auch die Rolle des Dolmetschers als Geheimnisträger, und die Bedeutung der Berufs- und Ehrenordnungen für dieses Thema, wurde angesprochen, sowie die Frage, inwieweit man die Möglichkeit hat, sich einer Verdolmetschung zu entziehen (bzw. sie von vornherein abzulehnen), wenn sie z.B. einem mit dem eigenen Gewissen nicht vereinbaren Zweck dient.

Bei der anschließenden Öffnung der Diskussion ins Publikum wurden die angesprochenen Themen noch durch die Beantwortung von Detailfragen vertieft. Eine der Schauspielerinnen stellte die interessante Frage, ob ein Dolmetscher auch nonverbale Elemente einer Rede, z.B. Emotionalität beim Sprechen, wiedergibt und wie weit er dabei geht. Nach der Beantwortung der Frage aus der Sicht einiger Dolmetscher ging auch Klaus Hänsch auf diese Frage ein und erklärte, er habe sich in seiner Tätigkeit als Politiker manchmal für Kommunikation über Englisch oder Französisch als Lingua Franca entschieden, wenn die Situation einen direkten und unmittelbaren Kontakt mit dem Gesprächspartner erforderte. Andererseits verlasse er sich in vielen Situationen auf die bewährte Zusammenarbeit mit Dolmetschern und habe von diesen auch häufig gute Hinweise und Vorschläge zur Änderung seiner Redetexte erhalten. Seine Bemerkung, im Grunde gehe es darum, dass Redner und Dolmetscher einander vertrauen und sich gegenseitig unterstützen, bildete das ideale Schlusswort der Veranstaltung.






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