Angehender Dolmetscher FAQ

Alles, was Sie schon immer über Konferenzdolmetscher wissen wollten, aber nicht wussten, wen Sie es fragen sollen!

F: Was macht eigentlich ein Konferenzdolmetscher?
F: Wie wird man Konferenzdolmetscher?
F: Welche grundlegenden Unterschiede bestehen zwischen Dolmetschern und Übersetzern?
F: Plappern Dolmetscher einfach nur nach?
F: Wird man zum Dolmetscher oder muss man als solcher geboren sein?
F: Stehen Dolmetscher im Rampenlicht?
F: Werden Dolmetscher im Vorfeld in Geheimnisse eingeweiht, bevor diese an die Presse gelangen?
F: Welche Sprachen und welche Ausbildung?
F: Wie sieht es mit dem Allgemeinwissen aus?
F: Wird ”Alles-auf-Englisch”den Beruf überflüssig machen?
F: Werden Dolmetscher eines Tages von Maschinen abgelöst?

F: Was macht eigentlich ein Konferenzdolmetscher?

Konferenzdolmetscher machen, kurz gesagt, die Kommunikation oftmals überhaupt erst möglich.

Sie müssen lernen, den Ausführungen in der aus Ausgangssprache genau zuzuhören und dabei die Botschaft des Redners:

  • vollständig erfassen
  • im richtigen Kontext begreifen
  • vor dem Hintergrund einer bestimmten Thematik verstehen

Ihre besondere Fähigkeit liegt darin, das Gesagte in ihrer eigenen (Ziel)Sprache auszudrücken und dabei die ursprüngliche Absicht des Redners in Bezug auf ? Ton, Blickwinkel und Stil ? beizubehalten.

F: Wie wird man Konferenzdolmetscher?

Nötig sind Persönlichkeit, Ausbildung und professionelle Einstellung.

Jeder, der sich für den Beruf des Konferenzdolmetschers ausbilden lassen möchte, muss über eine entsprechende Veranlagung, eine offene und neugierige Geisteshaltung und gute Nervenverfügen. Es versteht sich von selbst, dass darüber hinaus eine gute Sprachbeherrschung und ein umfangreiches Allgemeinwissen zu den unabdingbaren Voraussetzungen gehören.

Angehende Dolmetscher müssen Informationen schnell verstehen und verarbeiten können, über ein hohes Konzentrationsvermögen verfügen, die Fähigkeit haben, auf Veränderungen schnell und ruhig zu reagieren, körperlich ausdauernd sein, ein gutes Nervenkostüm haben, über eine angenehme Stimme und ein angenehmes Auftreten in der Öffentlichkeit verfügen, und Sie müssen, nicht zuletzt, in der Lage sein, geistige Neugierde mit Taktgefühl und Diplomatie in Einklang zu bringen.

Wer über diese Grundvoraussetzungen verfügt, muss eine spezielle Ausbildung im Bereich der Dolmetschmethodik und der Dolmetschstrategien absolvieren.

Schließlich müssen Dolmetscher auch über eine gewisse berufliche Standfestigkeit verfügen. Sie müssen ein klares und eindeutiges Verständnis für ein professionelles Auftreten als Dolmetscher haben, so wie es auch in den beruflichen Grundsätzen festgehalten ist (Schweigepflicht, Berufsstandards, etc.)

Und das aus guten Gründen:

  • Um die Qualität der erbrachten Leistung zu gewährleisten
  • Um die eigeneGesundheit zu erhalten und langfristig als Dolmetscher arbeiten zu können
  • Um von Berufskollegen anerkannt zu werden
  • Und, schließlich, um den Kunden Vertrauen zu vermitteln.

F: Welche grundlegenden Unterschiede bestehen zwischen Dolmetschern und Übersetzern?

Übersetzer arbeiten mit dem geschriebenen Wort. Sie haben meist keinen direkten Kontakt zum Verfasser des Ausgangstextes und den Rezipienten und haben für das Verfassen der schriftlichen Übersetzung mehr Zeit zur Verfügung. Gleichzeitig ist jedoch das Produkt ihrer Arbeit sozusagen „in Stein gemeißelt“, es kann veröffentlicht, mehrfach gelesen und wiederverwendet werden, und manchmal wird es sogar zu einem Standardwerk mit Referenzcharakter für Andere.

Dolmetscher hingegen arbeiten mit der gesprochenen Sprache und müssen schnell die richtigen Worte finden, da sie Teil eines Kommunikationsprozesses sind, der sich sozusagen vor einem „Live-Publikum“ abspielt.

F: Plappern Dolmetscher einfach nur nach?

Das Dolmetschen setzt voraus, dass man die Absicht eines Redners in einem bestimmten Kontext der Veranstaltung versteht und diese dem Publikum vermittelt, wobei man die sprachlichen und kulturellen Unterschiede berücksichtigt. Wort-für-Wort Übersetzungen liefern in der Regel unbrauchbare Ergebnisse. Das gilt insbesondere für das Dolmetschen, bei dem der professionelle Dolmetscher stets darum bemüht sein wird, den Sinn zu erfassen, der hinter den hörbaren Wörtern steckt. Das Motto des Dolmetschers lautet: „Erst denken, dann sprechen“.

F: Wird man zum Dolmetscher oder muss man als solcher geboren sein?

Um langfristig als professioneller Dolmetscher tätig sein zu können, bedarf es einer soliden Ausbildung, praktischer Erfahrung, einer professionellen Berufsauffassung und eines gewissen Durchhaltevermögens. Fremdsprachenkenntnisse und die Vertrautheit mit anderen Kulturen alleine genügen nicht. Bevor man als professioneller Dolmetscher tätig sein kann, muss man die Methodik und Technik des Dolmetschens beherrschen, die man im Rahmen eines geeigneten universitären Studienganges vermittelt bekommt. Man muss dabei nicht zwangsläufig mit verschiedenen Sprachen aufgewachsen sein. Viele Dolmetscher haben heutzutage ihre Fremdsprachenkenntnisse auch erst zu einem späteren Zeitpunkt erworben, allerdings dann auch auf einem sehr hohen Niveau.

F: Stehen Dolmetscher im Rampenlicht?

Professionelle Dolmetscher erfüllen ihre Aufgabe mit Diskretion. Im Idealfall sollte die Kommunikation zwischen den Gesprächspartnern so reibungslos ablaufen, dass sie die sprachliche Barriere erst gar nicht mehr bemerken.

F: Werden Dolmetscher im Vorfeld in Geheimnisse eingeweiht, bevor diese an die Presse gelangen?

Das kann in der Tat vorkommen, aber Dolmetscher behalten solche vertrauliche Informationen selbstverständlich für sich. Schweigepflicht ist einer der Grundsätze des AIIC Berufskodex.

F: Welche Sprachen und welche Ausbildung?

Theoretisch könnten Konferenzen und Sitzungen in jeder beliebigen Sprache abgehalten werden, aber auf dem internationalen Markt gibt es doch einige, die häufiger verwendet werden. Auch wenn es sehr schwer ist, vorherzusagen, welche Sprachenkombination für einen Konferenzdolmetscher auf einem bestimmten Markt nützlich ist, gibt es doch insgesamt eine stärkere Nachfrage nach den „großen“ Sprachen. Jeder, der als Konferenzdolmetscher tätig sein möchte, sollte i.d.R. Englisch als aktive oder passive Sprache in seiner Sprachkombination haben. Aufgrund der geforderten umfangreichen Sprachbeherrschung, die für diesen Beruf unabdinglich ist, gibt es klare Grenzen für die Anzahl der „beherrschbaren“ Sprachen. Allgemein ist dazu zu raten, neben der Muttersprache Sprachen zu wählen, zu denen man eine besondere Neigung hat und für die ein Markt vorhanden ist.

Die Arbeitsmöglichkeiten sind von Land zu Land unterschiedlich, da einige Länder große internationale Institutionen beherbergen, während andere eher von der Privatwirtschaft oder Behörden als Arbeit- bzw. Auftraggeber abhängig sind. Auch wenn man die Frage nach der geeigneten Sprachkombination nicht pauschal beantworten kann, geben die jeweils am häufigsten verwendeten Sprachen bei Konferenzen einen Hinweis auf den Bedarf. AIIC vertritt die Meinung, dass die Dolmetscherausbildung in den Sprachen erfolgen sollte, für die es einen Markt gibt oder für die ein potentieller Markt abzusehen ist.

Man sollte dabei folgende Aspekte berücksichtigen:

  • Das ausgezeichnete Beherrschen der Muttersprache ist eine unabdingbare Voraussetzung für eine gute Qualität der Verdolmetschung. Diese Tatsache gerät bisweilen beim Erlernen der fremden Sprachen in Vergessenheit.
  • Die für den Profi nötige Sprachbeherrschung erfordert auch dasständige Auffrischen der Kenntnisse.

In der Regel ist für einen Konferenzdolmetscher eine universitäre Ausbildung und darauf aufbauend eine Zusatzqualifikation als Konferenzdolmetscher erforderlich. Der universitäre Erstabschluss muss dabei nicht unbedingt im Bereich der Linguistik erfolgen, aber selbstverständlich werden für den Beruf des Dolmetschers sehr gute Sprachkenntnisse verlangt. In den meisten Fällen wird es sich also um einen neuphilologischen Studiengang handeln.

Zweifelsohne kann jedoch auch ein Abschluss in einem vollkommen anderen Fachgebiet gefolgt von einem Aufbaustudium in Konferenzdolmetschen eine sehr gute Kombination sein, vorausgesetzt, man verfügt über die notwendigen sprachlichen Fähigkeiten. Jedes Fachgebiet kann in der Welt der Konferenzen nützlich sein.

F: Wie sieht es mit dem Allgemeinwissen aus?

Konferenzdolmetscher arbeiten unter Umständen für einen sehr weiten Kunden- und Zuhörerkreis bei einer Vielzahl von verschiedenen Sitzungen, bei denen die Themen von der Wirtschaft über Finanzen bis hin zu Jura, Politik, Forschung, IT, Theologie, Sport und Medizin reichen können, um nur einige zu nennen.

Auch wenn Dolmetscher Fachleute für interkulturelle Kommunikation sind, können sie nicht gleichzeitig in allen Fachgebieten Experten sein. Dolmetscher müssen daher dazu bereit sein, stets offen für Alles zu sein und die Bereitschaft mitbringen, sich in unterschiedlichste Themen einzuarbeiten.

Eine gründliche Vorbereitung ist die Grundvoraussetzung, um jede Art von Vortrag und Redner zu beherrschen. Der Dolmetscher muss dabei nicht nur das verstehen, was der Redner sagt, sondern auch in der Lage sein, das Gehörte den Zuhörern in der Zielsprache zu vermitteln.

Als Dolmetscher muss man über das Weltgeschehen stets auf dem Laufenden sein und sein Allgemeinwissen kontinuierlich erweitern. Professionelle Dolmetscher schnappen immer und jederzeit auch noch die letzten Informationsfetzen auf, da man niemals weiß, ob nicht gerade diese Information irgendwann einmal nützlich sein kann.

F: Wird „Alles-auf-Englisch“ den Beruf überflüssig machen?

Die Veranstalter einer Konferenz wählen die jeweils benötigten Sprachen aus. Dabei können politische Aspekte eine Rolle spielen (z.B. EU-Sprachen, die Amtssprachen eines Landes, etc.) diplomatische Erwägungen (wenn sich das Konferenzthema auf ein bestimmtes Land oder eine bestimmte Region der Welt bezieht), fachliche Gründe (z.B. bei medizinischen Konferenzen, Englisch plus die Landessprache(n) des Gastgeberlandes), oder auch einfach weil sich eine bestimmte Sprachenkombination in der Vergangenheit bewährt hat.

Englisch wird bei internationalen Zusammenkünften am Häufigsten benutzt, da immer mehr Menschen diese Sprache erlernen und sprechen. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie diese Sprache auch wirklich richtig und mit allen ihren Nuancen einsetzen, oder dass sie sich beim Sprechen in dieser Fremdsprache wohl fühlen. Viele Teilnehmer an Konferenzen haben selbst erfahren, dass das Zuhören und Sprechen in einer fremden Sprache (selbst in einem Fachthema, das man gut kennt) sehr ermüdend sein kann und dass die Zuhilfenahme von professionellen, gut vorbereiteten Dolmetschern die Kommunikation erleichtert und manchmal gar erst möglich macht.

Sprache ist immer auch sehr eng in einen kulturellen Hintergrund eingebettet, so dass man in der eigenen Sprache auf Mittel zurückgreifen kann, die einem in einer Fremdsprache verborgen bleiben. Vor diesem Grund hat die AIIC eine Erklärung zur sprachlichen Vielfalt verabschiedet.

In einigen Regionen und einigen Fachgebieten ist eine Tendenz zur Abhaltung von Konferenzen ausschließlich auf Englisch zu erkennen (insbesondere dort, wo Englisch sprechen eine große Rolle spielt und für das Ansehen des Redners wichtig ist). Der Bedarf nach Sprachen ist jedoch nichts Statisches und abgesehen von der traditionellen Nachfrage nach den “klassischen” Sprachen Französisch, Spanisch und Deutsch werden zunehmend auch „neue“ Sprachen wie Schwedisch, Finnisch und Polnisch in der Europäischen Union genauso gebraucht wie Thai und Chinesisch in den asiatischen Ländern. Auch internationale Gremien, wie zum Beispiel der internationale Gerichtshof, werden die Sprachen anfordern, die sie für die verhandelten Fälle jeweils benötigen. Es fällt deshalb sehr schwer, vorherzusagen, ob für eine bestimmte Sprachenkombination in der Zukunft großer Bedarf besteht oder nicht.

F: Werden Dolmetscher eines Tages von Maschinen abgelöst?

Maschinelle Übersetzungen sind schon seit den 60er Jahren ein viel und kontrovers diskutiertes Thema im Bereich der Sprachberufe. Die Entwicklung bestehender Systeme beschränkt sich eher auf Verbesserungen in Teilaspekten, als dass man von einem wirklichen Durchbruch sprechen könnte. Maschinelle Übersetzungen mögen für ein großes Volumen an immer gleichen Texten geeignet sein, zum Beispiel für die Übersetzung von Ausschreibungsunterlagen oder Wetterberichten. Die gesprochene Sprache ist jedoch ein wesentlich komplexeres Gebilde als der geschriebene Text. Beeindruckende Fortschritte sind durchaus im Bereich der Spracherkennungssysteme gemacht worden. Diese sind jedoch nicht in der Lage, menschliche Dolmetscher zu ersetzen.

Die Dolmetscher haben sicherlich von den neuesten Entwicklungen im Bereich der Technik profitiert. So sind zum Beispiel heute Glossare und Konferenzbeiträge in elektronischer Form vorhanden und können auf den Laptop heruntergeladen und während der Konferenz eingesehen werden. Auch finden heutzutage bereits viele Videokonferenzen statt und Dolmetscher können sogar eingesetzt werden, wenn die Teilnehmer selbst nicht vor Ort anwesend sind, sondern per Satellit zugeschaltet werden. Auch wenn die Technik die Arbeit der Dolmetscher vielleicht verändern wird, hat der Beruf den technischen Fortschritt nicht zu fürchten.


Recommended citation format:
VEGA Network. "Angehender Dolmetscher FAQ". aiic.net January 25, 2005. Accessed July 18, 2018. <http://aiic.net/p/2395>.



Forum

Comments 5

Aktuelle Kommentare werden zuerst angezeigt

Verónica Fabiana PEREZ GUARNIERI

   

Several comments have been posted over recent months - all similar in some ways but each interesting in and of itself. I’ll try to address them all here. Regarding the comment about interpreters being replaced by computers, I
suggest you take a look at this discussion: http://interpreting.info/questions/11/when-will-artificial-intelligence-and-machine-translation-replace-interpreters.

In short, I do not think technology will replace interpreters anytime soon. In
oral communication there is so much going on other than the spoken word that
I find it hard to believe that a machine will ever be able to detect all the subtleties. Concerning the comments on training and the age at which one can start working as
an interpreter, I would point out that
interpreters come from all backgrounds. Some have studied languages or linguistics, others happen to be medical doctors, journalists
or engineers. In all cases, conference interpretation requires both inherent aptitude and training to hone very specific skill sets.

Mastering languages is but the start; you need to truly understand the culture that breathes life into a language and its many nuances. It’s a good thing to start learning
languages and have an interest in interpreting early in life, but you also need to acquire general knowledge and raise your
language proficiency to a very high level – and then put in years of directed study and hard work to become an
interpreter.

 

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Oswaldo Ponce

   

I'm trying to get in the world of language translators, I think, there could be a little posibility by technology for overcome our career.However I'd like to be a translator because it's my hobbie and I think that I'm very good on this issue.Hence, the fear of unemployment by robot translation wont win me. =)

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Pinky Norhanne

   

so, i am just asking.... I am 13, i know 3 languages (French, arabic, english) my Native language is Arabic, but i have an amazing French, and english, i have all of the above.. But how old should you be? and is it required to learn more than 3 languages, i am planning on getting into a huge spot.. Please answer back.

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vanilla

   

I think those are the most valuable qualities an interpreter should possess, for the skill required is based on a genuine craftsmanship. However, language talents, which in most cases given to language masters, will be of great help.

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jackie

   

I am wondering if an excellent interpreter can be trained just because of the strong determination,and definitely with the hard work.

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