Einige Gedanken zur Verwendung sozialer Netzwerke durch Dolmetscher

Wie kann man seiner Verantwortung als Dolmetscher in sozialen Netzwerken gerecht werden – und trotzdem Spaß haben?


Fotonachweis: © Robert Kneschke - Fotolia.com

Immer mehr Dolmetscher (Community Interpreter, Konferenz-, Gerichts- und Verhandlungsdolmetscher, Dolmetscher im medizinischen Bereich, Militärdolmetscher, Gebärdensprachdolmetscher usw.) nutzen die sozialen Netzwerke[i] als Plattform für die private wie berufliche Kommunikation. Soziale Netzwerke sind zwar nützlich und machen auch Spaß, aber wir müssen angesichts unserer Tätigkeit als Dolmetscher verantwortungsvoll damit umgehen: Wir sind "[…] in Bezug auf Informationen aller Art, von denen [wir] während eines beruflichen Einsatzes im Rahmen nichtöffentlicher Veranstaltungen Kenntnis erhalten haben, an strengste Geheimhaltung gebunden"[ii].

Soziale Netzwerke sind grundsätzlich öffentlich. Wie man als Dolmetscher diese Medien und die Geheimhaltung unter einen Hut bringen kann, möchte ich im Folgenden erläutern. Ich hoffe, diese Tipps sind hilfreich - sowohl für Dolmetscher, die bereits in den sozialen Netzwerken aktiv sind, als auch für Dolmetscher, die sich dem Social Media-Trend anschließen möchten.

Wir können und sollten die sozialen Netzwerke natürlich positiv in eigener Sache nutzen, um auf die Interessen von Dolmetschern hinzuweisen, den Beruf und seine Entwicklung stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen und sich untereinander beruflich auszutauschen (u.a. Meinungen, bewährte Methoden und Normen, interessante Beiträge und persönliche Glossar). Doch bei unangemessenem Umgang mit diesen Netzwerken besteht die Gefahr, dass unser Beruf Schaden nimmt.

Gleich vorweg

Natürlich stehen alle möglichen Plattformen zum privaten oder beruflichen Zweck zur Verfügung. Es ist grundsätzlich und nicht nur für Dolmetscher ratsam, in den Netzwerken das Private (Freunde und Familie) und das Berufliche (Kollegen und Kunden) zu trennen. Am sinnvollsten ist es, verschiedene Profile (d.h. unterschiedliche Benutzernamen) zu erstellen.

Möchtest du lieber nur ein einziges Profil haben, können private und professionelle Aktivitäten auch getrennt werden. Dazu bieten viele soziale Netzwerke die Möglichkeit, Inhalte gezielt mit anderen Nutzern zu teilen: anhand von Gruppen bei Facebook, Listen bei Twitter, Kreisen bei Google+ usw.

Was sollte man beachten?

Soziale Netzwerke dienen dem Austausch von Informationen und Ideen. Dabei ehrlich und vertrauenswürdig zu bleiben und Kollegen und Nutzer zu respektieren, ist eine Selbstverständlichkeit.

Auch bin ich der Meinung, dass die eigene Privatsphäre und die der anderen geschützt werden sollte. Deshalb ganz wichtig: Bevor man in die Welt der sozialen Netzwerke eintaucht, sollte man sich die Nutzungsbedingungen genau durchlesen und die Sicherheitseinstellungen je nach Bedarf ändern - und diese auch regelmäßig prüfen.

Nachdem das erledigt ist, steht dem Tauchgang nichts mehr im Weg: Natürlich kann jeder interessante Inhalte teilen, aber ohne die Vertraulichkeit zu verletzen, die mit unserer Tätigkeit untrennbar verbunden ist. Beispielsweise sollten nur allgemeine Aspekte der Arbeit gepostet werden, ohne spezifische Umstände bestimmter Aufträge und Auftraggeber zu erwähnen.

Den Gefällt mir-Button anklicken, Personen einem bestimmten Kreis zuweisen, Kontakte den verschiedenen Listen oder Gruppen hinzufügen, chatten... Nutze diese und andere Funktionen der sozialen Netzwerke maßvoll und immer mit gesundem Menschenverstand. Denn die Personen, Unternehmen oder Marken, die du verfolgst oder mit denen du verlinkt bist, spiegeln ein konkretes Bild von dir wieder.

Natürlich gibt es viele Möglichkeiten, die sozialen Netzwerke zur Vorbereitung auf einen Einsatz zu nutzen, z.B. als Hilferuf an die Community, um ein Glossar zum Thema Fischerei zu finden. Die sozialen Medien bieten viele Vorteile, etwa zum Lernen oder zum Informationsaustausch. Sie können auch hilfreich sein, um den Kontakt zu Kollegen und Kunden nach einer Veranstaltung zu pflegen. Auf der Ebene dieser Plattformen lässt sich so ein Gemeinschaftsgefühl herstellen.

Was gilt es zu vermeiden?

Internet ist ein weltweiter Multiplikator. Die goldene Regel lautet: Poste nichts, was du nicht gerne in einer Zeitung lesen möchtest. Wenn du deine Familie schützen möchtest, teile deine persönlichen Details oder Familienfotos ausschließlich mit Freunden und Verwandten.

Negative Meinungen oder Erfahrungen über eine Konferenz oder über die Redner zu veröffentlichen, oder gar Unterlagen oder Bilder einer Sitzung zu posten, kann unserem Beruf schaden, da er, wie oben erwähnt, auf Diskretion und Geheimhaltung beruht. Das bedeutet auch, dass kein Kundenname ohne ausdrückliche Erlaubnis erwähnt werden sollte. Bilder einer Veranstaltung können nur mit der vorherigen Zustimmung des Kunden bzw. der betroffenen Kollegen gepostet werden.

Tabu sind auch persönliche Details, die sich als missverständlich und im schlimmsten Falle als peinlich erweisen und ein falsches Licht auf dich werfen könnten. Beispielsweise ist es nicht ratsam, bestimmte Abneigungen ("Ich hasse Buchhaltung" oder "Ich habe keine Ahnung von Finanzen") preiszugeben. Das gilt auch für Humor und Ironie, denn beides kommt im Internet nicht immer gut an oder wird einfach nicht verstanden – insbesondere von Nutzern, die dich nicht gut kennen.

Vorsicht ist auch bei den Standort-Diensten angesagt: Vergewissere dich, dass diese Dienste ausgeschaltet sind, damit der Standort nicht automatisch bei jeder Nachricht oder jedem Status-Update veröffentlicht wird. Die Abwesenheitsnotizen oder öffentlich zugängliche Posts wie "Diese Woche dolmetsche ich in Brüssel" sind eine willkommene Einladung für Einbrecher, vor allem wenn deine Privatadresse mühelos im Internet zu finden ist.

Musik- und Videofragmente, Liedtexte, Abbildungen, Texte usw. sind urheberrechtlich geschützt. Bauten (einschließlich Innenräume) und Kunstwerke wie Gemälde, Skulpturen, Kunsthandwerke, architektonische Werke, Mode, etc. unterliegen auch den Copyright-Bestimmungen. Weil geistiges Eigentum rechtlich geschützt ist, darf man nichts ohne die Zustimmung des Rechteinhabers veröffentlichen. Im Zweifelsfall ist es ratsam, auf die Verwendung des Materials zu verzichten.

Während der Arbeit?

Die Nutzung der sozialen Netzwerke während des Einsatzes (in der Kabine, im Krankenhaus, bei Gericht...) sollte grundsätzlich vermieden werden. Wer während eines Einsatzes das dringende Bedürfnis verspürt, Versäumtes auf irgendeiner Plattform nachzuholen, sollte dafür lieber die Mittagspause nutzen oder warten, bis die Sitzung beendet ist.

Sogar kurze Status-Nachrichten während der Arbeit oder Kommentare wie "Oh Gott, diese Sitzung ist so schwierig" oder "Bin noch in der Kabine und so was von kaputt" könnten sich negativ auf deinen Ruf als Dolmetscher auswirken. Eine wesentliche Bedingung unserer Arbeit und Bestandteil unserer Verträge ist die volle Konzentration auf die jeweilige Sitzung oder Konferenz. Wenn der Kunde erfährt, dass der Dolmetscher während der Arbeitszeiten in den sozialen Netzwerken aktiv war, könnte er den Eindruck bekommen, dass die vertraglichen Pflichten verletzt wurden.

Also...

Scheue dich nicht, die Vorteile der heutigen Kommunikationstools zu nutzen. Mit etwas Weitblick und gesundem Menschenverstand lässt sich daraus aber viel machen.



[i] Soziale Netzwerke sind technologiebasierte Kommunikationskanäle zwischen Gruppen oder Individuen wie z.B. Blogs, Facebook, Twitter, Google+, YouTube, Flickr, Pinterest, LinkedIn, Digg, Delicious, Foursquare, etc. Aber auch traditionellere Plattformen wie Wikipedia, E-Mail, Nachrichtengruppen oder Internet-Foren können auch als soziale Netzwerke betrachtet werden.

[ii] Berufsethik der AIIC, II, Artikel 2, 1., http://aiic.net/page/1634/berufsethik-der-aiic/lang/32


Weiterführende Informationen

COMM Collection N°21, Recommandations pour l'utilisation des médias sociaux, Guide pour les communicateurs fédéraux.

Heads of Interpreting Services (HINTS), Declaration on the use of Social Media.

Hofert, Svenja, Die Marke Ich im Internet: Wie bin ich privat und trotzdem professionell?

Interpreting.info, What are the DOs and DON'Ts on Facebook for a professional conference interpreter? 

Interpreting.info, Is it right to tweet or do social media work from the booth while I'm not interpreting i.e. in the break? 

Interpreting.info, Is it OK to take pictures of the conference rooms I'm working in?

Recommended citation format:
AIIC. "Einige Gedanken zur Verwendung sozialer Netzwerke durch Dolmetscher". aiic.net March 11, 2013. Accessed December 11, 2017. <http://aiic.net/p/6454>.


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Regina SCHMIDT RIO-VALLE

   

Very interesting. Let's hope many colleagues read this.

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