Asyl für afghanische Dolmetscher – die Zeit drängt

Die Ermordung eines Dolmetschers der ISAF in Kunduz löst Bestürzung aus.

Die AIIC Region Deutschland zeigt sich bestürzt nach dem gewaltsamen Tod von Dschawad Wafa, der ehemals für die deutsche Bundeswehr in Afghanistan im Einsatz war. Sie appelliert erneut an die Bundesregierung, den Dolmetschern und ihren Familien aus dringenden humanitären Gründen beschleunigt Asyl in Deutschland zu gewähren. Dolmetscher in Konfliktgebieten bieten ihren Arbeitgebern eine wertvolle Leistung. Aufgrund ihrer exponierten Tätigkeit gelten sie als besonders schutzbedürftig.

Mit großer Trauer und Bestürzung hat die AIIC Region Deutschland die Nachricht aus Kunduz vom gewaltsamen Tod von Dschawad Wafa, einem ehemaligen Dolmetscher des deutschen Kontingents der Internationalen Afghanistan Schutztruppe, zur Kenntnis genommen. Die Gewalttat unterstreicht die Notwendigkeit, eine schnelle Asylregelung für die ehemaligen Angestellten der Bundeswehr in Afghanistan zu treffen.

Die AIIC Region Deutschland begrüßt ausdrücklich die Aussage der Bundesregierung vom 26. Oktober 2013, nach der die im einem offenen Brief der AIIC an Bundeskanzlerin Merkel angeregte Abkehr von der Einzelfallprüfung, die den individuellen Nachweis einer persönlichen Gefährdungslage voraussetzte, erfolgt ist. Nunmehr soll laut Presseberichten eine unbürokratische Einreiseregelung für den Großteil der früheren Angestellten – darunter Dolmetscher, Fahrer und Wachpersonal – umgesetzt werden. Eine Kommission der Deutschen Botschaft in Kabul hatte zum Ende Oktober 22 Personen als „akut“, 145 als „latent“ und ungefähr 70 als „abstrakt“ bedroht eingeschätzt. Laut Presseberichten wurde der am 24.11. ermordet aufgefundene Dschawad Wafa zu diesem Personenkreis gezählt.

Die AIIC Region Deutschland sieht sich in ihrer Sorge um die Sicherheit der afghanischen Angestellten der Bundeswehr auf tragische Weise bestätigt und appelliert erneut an die Bundesregierung, den Dolmetschern und ihren Familien ein Aufenthaltsrecht aus dringenden humanitären Gründen nach §22 des deutschen Aufenthaltsgesetzes zu gewähren.

Die AIIC-Arbeitsgruppe „Interpreters in Conflict Zones“ kooperiert mit dem Weltübersetzerverband FIT sowie dem gemeinnützigen Verband zum Schutz von Dolmetschern und Übersetzern Red T und dem internationalen Verband der professionellen Übersetzer und Dolmetscher, IAPTI, um die Nöte von Dolmetschern in Konfliktgebieten zu lindern. Das Schicksal der Dolmetscher in Afghanistan ist vor dem Hintergrund des Abzugs der Internationalen Schutztruppe ISAF ein Schwerpunkt der Aktivitäten.

Links

Offener Brief an Bundeskanzlerin Merkel (englische Version) auf aiic.net

Linda Fitchett, Präsidentin AIIC, „Mehr Schutz für die Helfer”, Südwestpresse vom 20.07.2013

Steffen Hebestreit, Frankfurter Rundschau, 12.07.2013, Verständnis ja, Asyl eher nicht

Azam Ahmed, New York Times 14.04.2013, Afghan Interpreters for the U.S. Are Left Stranded and at Risk

George Packer, The New Yorker, 12.11.2013, An Afghan Interpreter’s Flight to America

Download

Pressemitteilung AIIC Region Deutschland vom 09.07.2013 zum Offenen Brief an Bundeskanzlerin Merkel


Berlin, 27. November 2013

Recommended citation format:
AIIC DEUTSCHLAND. "Asyl für afghanische Dolmetscher – die Zeit drängt". aiic.net November 29, 2013. Accessed May 24, 2019. <http://aiic.net/p/6662>.



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