Leitlinien für Tontechniker - Zusammenarbeit mit gemischten Konferenzdolmetscherteams (Gebärdensprache und Lautsprache)

Diese Leitlinien decken Situationen ab, in denen Gebärdensprachdolmetscher und Lautsprachendolmetscher gemeinsam in einem gemischten Team zusammenarbeiten.

Sign Language Network

Einleitung

Gebärdensprachdolmetscher müssen das gesprochene Wort gut hören können, um es (mithilfe ihrer Hände) in Gebärdensprache zu dolmetschen. Außerdem müssen sie von den gehörlosen Delegierten gut gesehen werden können und diese auch umgekehrt gut sehen können, damit sie deren Gebärden für andere Delegierte in Lautsprache übertragen und ihren Kollegen in den Kabinen ein Relais liefern können.

1. Positionierung

Im Gegensatz zu Lautsprachendolmetschern arbeiten Gebärdensprachdolmetscher nicht in der Kabine, sondern stehen/sitzen im Plenum in der Nähe der Redner, so dass sie von den gehörlosen Teilnehmern gut gesehen werden können. Je nach Veranstaltungsdauer und -inhalt, Rednern, und Sprachen arbeiten Gebärdensprachdolmetscher in Zweier- bzw. Dreierteams.

a. Allgemeines

Gebärdensprachdolmetscher müssen sich so positionieren, dass die gehörlosen Teilnehmer sowohl die Dolmetscher als auch die Redner im Blickfeld haben. Folglich sollten Gebärdensprachdolmetscher nicht am Rande platziert werden, sondern an einer zentralen Stelle im Raum.

b. Redner (hörend ñ verwendet Lautsprache)

Bei Veranstaltungen mit Vorträgen, die auf einer Bühne oder einem Podium gehalten werden, steht (bzw. sitzt) der Gebärdensprachdolmetscher mit dem Rücken zur Präsentationsleinwand, mit dem Gesicht zum Publikum. Es muss dabei sichergestellt werden, dass der Dolmetscher Augenkontakt zu den gehörlosen Teilnehmern im Publikum hat und dass die Sicht nicht behindert wird. Der zweite Dolmetscher sitzt mit Blick zum anderen Dolmetscher. Je nach Setting (z.B. Besprechung an einem Besprechungstisch) können die Dolmetscher auch nebeneinander, mit Blick zu den gehörlosen Teilnehmern, sitzen.

c. Redner (gehörlos ñ verwendet Gebärdensprache)

Der gehörlose Redner steht/sitzt mit Blick zum Publikum, der Gebärdensprachdolmetscher sitzt mit Blick zum gehörlosen Redner (in diesem Fall kehrt der Dolmetscher dem Publikum den Rücken zu). Es muss sichergestellt werden, dass der Dolmetscher Augenkontakt zum gehörlosen Redner hat und dass die Sicht nicht behindert wird. Der zweite Dolmetscher sitzt neben dem ersten Dolmetscher. Je nach Setting (z.B. Besprechung) können die Dolmetscher auch nebeneinander, mit Blick zu allen Teilnehmern, sitzen.

d. Sitzgelegenheit

Wenn Gebärdensprachdolmetscher im Sitzen arbeiten, sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass die Stühle möglichst keine Drehstühle sind und, wenn überhaupt, nur über niedrige Armlehnen verfügen.

e. Hintergrund

Achten Sie bitte darauf, dass der Hintergrund hinter dem Gebärdensprachdolmetscher weder eine visuelle Ablenkung darstellt, wie kräftige Farben oder bunte Muster, noch eine Hintergrundbeleuchtung durch ein Fenster oder eine helle Leinwand. Ist der Hintergrund nicht in Ordnung, erschwert er die Sicht der gehörlosen Teilnehmer auf den Gebärdensprachdolmetscher.

2. Technische Anforderungen

a. Beleuchtung

Die Raumbeleuchtung sollte ausreichend hell sein und keine Schatten auf das Gesicht des Gebärdensprachdolmetschers werfen. Werden Filme oder Präsentationen gezeigt, so stellen Sie bitte sicher, dass auch in dieser Zeit ausreichend Licht auf den Gebärdensprachdolmetscher geworfen wird, damit die gehörlosen Teilnehmer ihn sehen können.

b. Kopfhörer

Gebärdensprachdolmetscher brauchen bequeme, verstellbare Kopfhörer mit weichen Ohrpolstern, die beim Gebärden nicht leicht vom Kopf fallen. Außerdem muss die Eingangssprache an den Empfängern einstellbar sein, damit die Dolmetscher ihre Relaissprache auswählen können. Die Empfänger sollten möglichst kabellos und leicht an der Kleidung zu befestigen sein, sowie vorzugsweise Funkempfänger statt Infrarot-Empfänger, da es bei letzteren durch das Gebärden zu Störungen beim Signalempfang kommen kann. In den meisten Fällen sind die Verbindungskabel zwischen Empfänger und Kopfhörer zu kurz für den Gebärdensprachdolmetscher. Während die Länge für das sitzende Publikum ausreicht, muss der Gebärdensprachdolmetscher während der Arbeit oft stehen (siehe 3 unten) und benötigt daher ein Verlängerungskabel für die Kopfhörer.

c. Mikrofon

Wenn ein gehörloser Teilnehmer eine Präsentation hält oder sich an einer Diskussion beteiligt, dolmetscht der Gebärdensprachdolmetscher diesen Beitrag in Lautsprache und liefert damit das Relais für die anderen Konferenzdolmetscher, die mit Lautsprache arbeiten. Gebärdensprachdolmetscher können am besten mit einem kabellosen Handmikrofon arbeiten (kein festes Tischmikrofon, Ansteckmikrofon oder Sprechgarnitur mit Headset). So können sie sich problemlos den gehörlosen Zuhörern im Publikum sowie dem vortragenden Gebärdensprachverwender (Signer) zuwenden.

d. Monitor

Der Dolmetscher, der vorn und mit Blick zum Publikum steht, kann die Leinwand nicht sehen, auf der Präsentationen gezeigt werden. Damit der Gebärdensprachdolmetscher die Präsentationen mitverfolgen kann, sollte ein separater Bildschirm vor ihm aufgestellt werden (vergleichbar mit einem Rednerbildschirm).

e. Untertitel

Bei der Verwendung audiovisueller Medien sollten Untertitel oder alternative Formate für sämtliche Audio-Inhalte bereitgestellt werden, einschließlich Geräusche, damit die gehörlosen Delegierten mitverfolgen können, was die anderen Teilnehmer hören (Lautsprache, Musik, spezifische kontextbezogene Geräusche).

3. Web-Streaming

Gebärdensprachdolmetscher können entweder getrennt per Web-Streaming übertragen werden, oder in einem Rahmen innerhalb der gesamten Übertragung[1]. Im Falle einer Übertragung per Web-Streaming arbeiten die Dolmetscher im Stehen. Dafür brauchen sie Kopfhörer mit Verlängerungskabel oder einen kabellosen Empfänger. Für den Online-Zuschauer ist es wichtig, dass der Gebärdensprachdolmetscher gut zu sehen ist. Es gibt zwei Möglichkeiten, um Gebärdensprachdolmetscher in die Gesamtübertragung einzubauen[2]:

  • Mit einem Kasten, Fenster oder blasenförmigen Bildausschnitt in der Gesamtansicht, wobei der Kasten entweder den Gebärdensprachdolmetscher oder das Bildmaterial enthalten kann;
  • Bluescreen-Technik: hierbei kann der Gebärdensprachdolmetscher über das gesamte Bildmaterial oder über Teile davon eingeblendet werden.

Bei der Kasten-Ansicht sollte sich dieser bevorzugt auf der rechten Seite (aus Zuschauer-Sicht) des Bildmaterials befinden (wenn der Gebärdensprachdolmetscher Rechtshänder ist). Der Kasten sollte groß genug sein, damit der Gebärdensprachverwender gut gesehen werden kann. Die Platzierung des Kastens sollte fest sein, also nicht variieren. Der Dolmetscher sollte von der Taille bis leicht oberhalb des Kopfes zu sehen sein.

Ausrüstung – Checkliste

  • Stühle ohne Armlehnen
  • Hintergrund: keine Hintergrundbeleuchtung, farbige Präsentationsleinwand oder Bluescreen-Technik
  • Beleuchtung des Dolmetschers, kein Schatten auf dem Gesicht
  • Kabelloser Funk-Empfänger und Kopfhörer oder, falls nicht verfügbar, weiche, gepolsterte und verstellbare Kopfhörer mit Verlängerungskabel
  • Kabelloses Handmikrofon.

[1] https://www.w3.org/TR/WCAG20-TECHS/G54.html

[2] http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/signingbooks/sbrc/grid/d71/guide13.htm

Recommended citation format:
Sign Language Network. "Leitlinien für Tontechniker - Zusammenarbeit mit gemischten Konferenzdolmetscherteams (Gebärdensprache und Lautsprache)". aiic.net November 22, 2016. Accessed September 26, 2017. <http://aiic.net/p/7809>.



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